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Warum eine Katze vom Züchter?


Man schmeiße ein weibliches, empfängnisbereites Tier einer Art mit einem männlichen, an der Dame interessierten Tier (möglichst derselben Art) zusammen und warte was passiert. Ohne weiteres Zutun, Wissen oder Drumherum nennt man das dann Vermehrung. Ja, es kommen sehr wahrscheinlich Jungtiere dabei raus, und trotzdem ist Zucht etwas grundlegend anderes.
Es ist ein Kreuz mit der Zucht, denn sie macht Arbeit. Zucht bedeutet: Auseinandersetzung mit Bedürfnissen, viel Kompetenz und Wissen, eine große Portion Herzblut und ein solides, tragfähiges Gewissen, massig Verantwortungsgefühl inklusive. Zucht heißt nur das Beste für die Tiere zu wollen. Nein, mit „das Beste“ meine ich nicht den Inhalt des Portemonnaies anderer Leute.
Maine Coons sind in den letzten Jahren zu einer Art Moderasse avanciert. Und das ist stets schlecht, egal für welche Tierart. Denn das bedeutet, dass viele schwarze Schafe und, sagen wir, unbedarfte graue Lämmchen auf den Züchterzug aufspringen und ein Stück vom Kuchen haben wollen. Der Erfolg: zunehmend mehr kranke Tiere. Im Fall der Coonies und dem „Größenwahnsinn“ wären das dann Hüft- und Herzprobleme. Aber wie erkenne ich nun einen von den Guten? – Vorweg: eine hundertprozentige Garantie für Gesundheit gibt es nicht. Aber es gibt eine Menge Möglichkeiten, Krankheit und Leid zu vermeiden. Darauf kommt es an, darin sind wir uns doch sicher einig.
Wichtig ist, sich vor den Kauf mit der Rasse auseinanderzusetzen. Blauäugig handeln und hinterher meckern? Also bitte! Doch nicht in Zeiten der allumfassenden Internetaufklärung, in der jeder (Entschuldigung) Depp sich vor dem Kauf einer Mikrowelle an 6 verschiedenen Stellen über dasselbe Modell informiert.

Folgende Liste:…..

1.Tiere sind teuer.

Autsch, wie bitte? Ganz recht. Geiz ist keinesfalls geil. Rassetiere bewegen sich in einem Rahmen, der zumeist deutlich ÜBER der eigenen „Woah, ist das teuer!“ – Grenze liegt. Warum ein Tier beim Züchter viel kostet: Gesundheitsvorsorge, Untersuchungen der Eltern, Gesundheitsvorsorge bei den Kleinen (Entwurmen, Impfen, Durchchecken, eventuell Chippen) qualitativ hochwertiges Futter, Arbeitszeit im Sinne von Betreuung, Spritkosten ect. nicht mit eingerechnet. Die Papiere der berühmtberüchtigte Stammbaum, kostet auch – aber von allem am wenigsten. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Kein verantwortungsvoller Züchter wird durch seine Katzen zum Krösus. Übrigens: Preisvergleich lohnt sich trotzdem! Werden Kitten ungewöhnlich günstig angeboten, ist Misstrauen bzw. Nachfragen angebracht ;-) Frag dich (oder den Betreffenden), woran hier wohl gespart wird?
Liebhabertiere sind übrigens zumeist etwas günstiger als Tiere, die zur Zucht bestimmt gekauft werden. Günstiger zu haben sind auch ältere Tiere, die aus der Zucht ausscheiden (Kastraten). Wer nicht unbedingt ein Kitten haben muss, kann hier zuschlagen. Und warum Stammbaum? Weil nur ein Tier mit Stammbaum als reinrassig zu bezeichnen ist. Um an Papiere zu kommen, muss ein Züchter in einem Verein organisiert sein, und eine solche Mitgliedschaft geht mit Vorschriften zum Wohle der Tiere. Klar worauf ich hinauswill, oder?

2. Das Wohl des Tieres steht im Vordergrund.

Oberstes Zuchtziel gesunde Tiere. Danach kommt das Aussehen. Keine Kompromisse! Zucht nur auf Größe oder Farbe ohne Rücksicht auf Verluste? Hallo, gesunder Menschenverstand! *wink* Frag nach dem Zuchtziel. Das sollte dir schon mal einen ersten, wichtigen Eindruck vermitteln.
Wie leben die Tiere beim Züchter? Schau sie dir an. Wie viele Würfe gibt es pro Jahr, wie viele überhaupt pro Katze? Was wird an Vorsorge und Untersuchungen bei den Eltern getroffen? (Gentest´sl etc.) Ein guter Züchter gibt seine Kitten NIEMALS ungeimpft ab. Er ist am Wohl des Tieres interessiert, auch wenn es bereits bezahlt und halb über die Türschwelle getragen ist. Üblich ist auch ein Futterpaket mit gewohntem Futter, damit es nicht zu gleich zu Bauchweh kommt. Informiere dich, sammel Eindrücke, frag viel!
Aber sei darauf gefasst, dass auch der Züchter Fragen hat. Du erinnerst dich: das Wohl des Tieres steht im Vordergrund! Dem Züchter ist keinesfalls egal, in welches Zuhause sein kleiner Schützling kommt! Und du hast einen kompetenten Ansprechpartner an der Seite, alleine das ist Gold wert.

3. Liebe

Die Tiere werden nicht als Ware angesehen, sondern mit Liebe und Herzblut aufgezogen. Das merkst du schnell, wenn du auch nur ein wenig Gespür und Empathie aufbringen kannst! Es steckt viel Mühe (und Wissen, und Kompetenz, und Zeit….) in der Aufzucht kleiner Miezekatzen, auch wenn der Züchter „nur“ 11, 12 Wochen damit zu tun hat. Diese Zeit ist allerdings besonders wichtig, denn die kleinen Persönlichkeiten lernen fürs Leben. Es ist übrigens inakzeptabel, ein Kätzchen vorher aus dem Schoß der Familie zu reißen. Glaub es ruhig, du tust deinem Familienmitglied in spe keinen Gefallen damit!
Du bekommst also im Idealfall für dein sauer verdientes Geld ein gesundes Kitten, dass ausschließlich Liebe und Zuwendung vom Menschen kennengelernt hat, gut sozialisiert ist und so einige Benimm- Regeln bereits intus hat. Ist es das nicht wert? Wer sich je in Katzenerziehung versucht hat weiß, dass das nicht durch Danebenstehen erreicht wird. Natürlich gibt es bei Kitten trotzdem Rabauken und Sensibelchen, sie sind nicht alle gleich. Hör auf dein Bauchgefühl!
Lass mich noch etwas zu der Thematik „Kitten retten“ sagen. In diese Zwickmühle kommt man schnell, wenn man süße kleine hilflose Tierchen in alles andere als idealen Umständen erlebt. Am liebsten sofort einpacken, mitnehmen und mit Liebe und Zuwendung überschütten.
Allerdings musst du dich zwei Dinge fragen:
Will ich das schwarze Schaf letztlich mit meinem Geld dabei unterstützen, noch mehr arme Kitten zu produzieren, wenn ich das Tier jetzt bezahle und mitnehme, weil es mit so leid tut? Und: Kann ich nicht anders gegen die Zustände vorgehen? Z.B. beim Katzenzuchtverein anfragen oder beim Amtsveterinär.
Aber letztlich ist es deine Entscheidung, dein Gewissen. Da kann und will ich dir nicht dreinreden. Ist nur eine Rassekatze eine gute Katze? Ach Schmarrn. Wenn ich den Eindruck bei dir erweckt haben sollte, an dieser Stelle ganz ausdrücklich:

Jede Katze ist ein Meisterwerk. Ob Stammbaum oder nicht.

Das wusste schon Leonardo Da Vinci. Wie sollte ich da widersprechen können? ;-) - aber wer sich für ein Rassetier entscheidet, hat sicher einen guten Grund.