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Trächtigkeit


Wenig bekannt ist, dass bei einer Kätzin erst die Kopulation den Eisprung auslöst. Und zwar bis zu zwei Tagen nach dem Deckakt. Wie viele Tage sich eine Kätzin decken lässt, ist von Fall zu Fall verschieden. Von einem Tag bis hin zu einer Woche ist alles drin. Danach rechnet man eine mittlere Tragzeit von 63 Tagen. Aber: so zwischen 59 und 67 Tagen ist so ziemlich alles drin. Bei Maine Coons habe ich durchaus schon gehört, dass 70 Tage getragen wurde.

Vorher…

Eine Kätzin sollte ja ohnehin regelmäßig, aber insbesondere vor ihrem Rendezvous mit dem Kater entwurmt werden. Vom Kater zurück, braucht die gesunde kräftige Katze keine Sonderbehandlung. Sie ist gerade während der Zeit der Trächtigkeit in Topform. Wichtig ist allerdings die gehaltvolle Ernährung, wobei das Angebot nach Bedarf (Appetit der Katze, Größe des zu erwartenden Wurfes) erfolgen soll, jedoch gegen Ende der Trächtigkeit nicht mehr als 50 % über der Normalmenge liegen sollte. Nicht Quantität sondern Qualität des Futters kommt dem Wurf zugute!
Eine Trächtigkeit kann man, meistens etwa 3 Wochen nach der Belegung daran erkennen, dass sich die vormals klitzekleinen und eher gelblich hellen Zitzen rosa bis pink verfärben.


Zitze


Großartige Wesensveränderungen sind in dieser Phase nicht zu beobachten. Wartet der Besitzer jetzt hier auf sehenswerte Ausbeulungen bauchseits, sieht er sich arg getäuscht. Da wird es erst so ab der 5. Woche interessant und erst im letzten Drittel der Schwangerschaft spektakulär.

Licht und Sauerstoff sind für die optimale Entwicklung des Nachwuchses ebenso wichtig. Die gewohnte Bewegung tut der Katze weiterhin gut. Sie sollte einerseits nicht zu ruhig gehalten werden, um die Muskulatur nicht zu schwächen, andererseits aber unbedingt an zu gewagten Sprüngen und Tobereien gehindert werden (das sieht die Katze meist anders!). Absolut zu vermeiden sind alle Stress-Situationen: Reisen, Ausstellungen, Streitigkeiten mit Mitkatzen. Grundsätzlich sollen keinerlei Medikamente ohne tierärztliche Anweisung gegeben werden! Es empfiehlt sich, die trächtige Katze regelmäßig zu wiegen. Allerdings ist von der Zunahme nicht unbedingt ein Rückschluss auf die zu erwartende Anzahl der Jungtiere möglich. Eher gilt folgende Faustregel: Erwartet die Katze 6 oder mehr Jungtiere, kann sie sich meist ab der 7. Woche nicht mehr ohne Hilfe im Genitalbereich säubern und muss dabei unterstützt werden. Ab der 7. Woche sind die Bewegungen der Föten durch die Bauchdecke gut zu fühlen, gelegentlich auch regelrechte Spielstunden zu beobachten.
So ca. 2 Wochen vor dem Stichtag, hat man das Gefühl, die Katze wird stündlich runder. So mancher Besitzer fängt an, sich darüber Sorgen zu machen, ob seine Mietze nicht doch platzen könnte. Außerdem wird sie auch sichtlich ruhiger und "verkneift" sich meist große Sprünge. Ab dem 50. bzw. 53 Tag gibt man der Katze zur Vorbereitung auf die Geburt täglich 1 x 5 Globulis Pulsatilla D6. Dieses homöopathische Medikament bereitet die Geburtswege der Katze auf das bevor stehende Ereignis vor.

Gegen Ende der Trächtigkeit sollte man beginnen, der Katze verschiedene „Eigenheime“ also Wurfkisten, anzubieten. Sie sollten an einen ruhigen Platz in der Wohnung stehen, an dem sie später werfen soll.
Gut geeignet ist dafür ein Wäschekorb, ein Kennel (der später den Deckel aufgesetzt bekommt, Mütter lieben Höhlen) oder ein stabiler Karton in ausreichender Größe. Die Wurfkiste wird mit einer festen Unterlage (Schaumstoff) und sauberen Tüchern oder Moltontücher aus (mehreren Lagen zum späteren Herausziehen unter der gebärenden Katze sind praktisch), ausgestattet. Nicht geeignet sind Frotteetücher, da die Jungtiere ihre Krallen anfangs nicht einziehen können und in den Schlingen hängen bleiben! Eine Erstgebärende sollte rechtzeitig mittels Leckerli oder Vitaminpastengabe und besonders netten Streicheleinheiten an die Wurfkiste gewöhnt werden.
Die Mutterkatze wird das Wohnungsangebot eingehend prüfen und sich dann kurz vor der Geburt entscheiden. Haben Sie mehrere Katzen, wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen aus jedem Karton täglich ein anderes Gesicht entgegen blickt und sich die, um die es hier eigentlich geht, scheinbar so gar nichts aus den mühsam und liebevoll gestalteten Wohnmöglichkeiten macht. Auch das ist normal.
Die ausgiebigen Schmusezeiten mit der Katze sollten auch genutzt werden, um die oft festsitzenden Verkrustungen an den Zitzen vorsichtig zu entfernen. In einigen Büchern wird geraten, die Haare um die Zitzen herum zu kürzen. Da sich in diesem Bereich hormonell bedingt die Behaarung ohnehin lichtet, ist dies nicht unbedingt notwendig. Eine kritische Zeit der Trächtigkeit besteht um den 10. Tag vor dem errechneten Geburtstermin herum. Die meisten Komplikationen, wie z.B. Fehlgeburten, ereignen sich zu diesem Zeitpunkt. Eine Fehlgeburt verläuft wie eine normale Geburt, ist jedoch meist von starken Blutungen begleitet. Die zu früh geborenen Welpen sind nicht lebensfähig, selbst wenn sie ein ausreichendes Gewicht von 70-75 g aufweisen. Auch bei einer Fehlgeburt sollte ein Protokoll geführt werden als Grundlage für die Nachsorge durch den Tierarzt.

Etwa ab dem 60. Tag sollte die Katze nachts nicht mehr ohne Aufsicht bleiben. Spätestens jetzt ist auch der Tierarzt von dem bevorstehenden Ereignis zu informieren. Angesichts einer Wochenendgeburt muss die tierärztliche Versorgung geklärt werden. In dieser Phase beginnen bitte auch Sie mit Ihren Vorbereitungen: Legen Sie schon mal einige Utensilien für die Geburt in der Nähe der Wurfkiste bereit:


  • saubere Tücher (Kleenex)
    Laken zum auswechseln
    desinfizierte Verbandsschere
    Abfalleimer / Papierkorb
    Waage möglichst mit 5-Gramm-Einteilung
    Schuhkarton mit Moltontuch und Heizkissen/Wärmflasche
    Schüssel für warmes Wasser (bitte kein Desinfektionsmittel zusetzen!)
    Block
    Kugelschreiber
    eventuell Atemstimulans (z.B. Respirot oder Dopram-V)
    evtl. Absaugkatheter aus der Apotheke, (40 cm, Größe 8, blau).
    Caulophyllum-Tropfen D30)
    Telefon mit allen wichtigen Nummern und
    Rescue-Tropfen bereit.


  • Die Rescue-Tropfen sind übrigens für Sie, die Katze kann damit nichts anfangen ;-)



Versichern Sie sich für evtl. Notfälle der Hilfe von Freunden, Familie und Nachbarn - möglichst Leute, die mit Katzen Erfahrung haben. Vielleicht benötigen Sie einen Fahrer nebst Auto.

Und dann beginnt die nervenaufreibende Zeit des Wartens. Die Katze liegt schnurrend in der Kiste, solange man daneben sitzt und ihr Bäuchlein streichelt. Verlässt man das Zimmer, folgt sie aufgeregt maunzend. Sie sucht an allen möglichen, vor allem aber unmöglichen Stellen nach einem Wurfplatz, umsorgt und putzt plötzlich die längst verstoßene Tochter oder den sonst eher geduldeten Kastraten. Kurz - nicht nur die erstgebärende Katze fällt von einem Extrem ins andere und vermittelt 10 x am Tag den Eindruck, dass es jede Sekunde losgehen wird.

Erste konkrete Anzeichen der bevorstehenden Geburt lassen hoffen, dass die Sache nun bald in Gang kommen könnte: 1-2 Tage vor der Geburt (manchmal allerdings auch schon Tage vorher) schwellen die Milchleisten und Kolostralmilch tritt auf Druck aus. Die Bänder im Beckenbereich erschlaffen, so dass die Katze an den Flanken wie eingefallen wirkt. Als Folge zeigen sich oft erste leichte Schleimabsonderungen. Die Tragzeit der Katze liegt zwischen dem 63. und 70. Tag, vom ersten der Tag der Verpaarung an gerechnet. Es besteht kein Grund zur Beunruhigung solange sich die Katze wohl fühlt, gesund wirkt und die Föten sich bewegen. Manch Kaiserschnitt könnte vermieden werden, wenn Katzenbesitzer und Tierärzte abwarten und den Signalen der Katze vertrauen würden. Ein Hilfsmittel zur Ermittlung einer bevorstehenden Geburt besteht in der Tatsache, dass etwa 24 Stunden vorher die Körpertemperatur um ein Grad absinkt (normal 38,60). Allerdings bleibt auszuprobieren, ob die Katze sich die fortlaufenden Messungen gefallen lässt.

Wenn bei der Katze ein Schleimpfropf abgeht ist das ein Anzeichen dafür, dass die Geburt kurz bevorsteht. Jetzt wird die Katze meist unruhig und läuft suchend durch die Räumlichkeiten. Sie prüft die Wurfkisten durch, legt sich hier und dort zur Probe hinein, steht wieder auf, sucht weiter. Dieses Spielchen kann sich eine ganze Weile hin ziehen und Sie tun gut daran, einen möglichst nicht störenden Beobachtungsposten zu beziehen. Viele Katzen holen "Ihre" Menschen zur Geburt herbei. Also bitte nicht permanent hinterher rennen - das macht die Katze höchstens nervös.